Sind Bio-Produkte besser?
Artikel - Gesellschaft/Ökologie

Bio-Produkte haben unschätzbare und schwer vergleichbare Mehrwerte
Die Prüfer der »Stiftung Warentest« hatten sich Bio-Produkte vorgeknöpft und kamen in der Nummer Sechs der Test-Zeitschrift 2010 zu folgendem Schluss: »Biolebensmittel sind ... im Durchschnitt nicht besser als herkömmliche Produkte«. Das öffentliche Echo war hämisch - »Haben wir's nicht immer schon gesagt!« - und hat dem ökologischen Landbau geschadet. Hoffentlich nur kurzfristig und hoffentlich mit dem Ergebnis, das eigene Bio-Profil mehr zu schärfen und die eigenen Stärken deutlicher herauszuarbeiten
Wie kam die Stiftung Warentest zu ihrem Schluss? Nicht wie unsereins, der in einen Bioapfel beißt, sich den Saft aus den Mundwinkeln wischt und wohlig Mmmm seufzt. Stattdessen wurden die Qualitätsurteile von 52 Tests der vorausgegangenen sieben Jahren miteinander verglichen. Dabei hatten konventionelle und ökologisch erzeugte Lebensmittel weitestgehend gleich abgeschnitten, im Guten wie im Schlechten. So konzentriert sich alles auf die Frage, was bedeutet hier »Qualität«? Beispiel Test-Heft Nr. 9 vom September 2006. Getestet wurden Müslis, also typische Produkte, die ursprünglich in der Bioszene beheimatet sind. Die 100 Prozent des Test-Urteils setzten sich aus folgenden Komponenten zusammen:
- 30 Prozent sensorische Fehlerfreiheit (5 Tester prüfen anonym: schaut's gut aus, riecht's gut, schmeckt's gut, wie fühlt sich's auf der Zunge an)
- 30 Prozent ernährungsphysiologische Qualität (Laborwerte für Brennwert, Ballaststoff- und Zuckergehalt)
- 15 Prozent Deklaration (sind die lebensmittelrechtlichen Kennzeichnungsvorschriften genau eingehalten)
- 10 Prozent Rückstands- und Schadstofffreiheit
- 10 Prozent Mikrobiologische Qualität (Keimzahlen)
- 5 Prozent Verpackung
Fanden sich deutliche Pilzgiftspuren im Müsli, wurde es automatisch als »mangelhaft« eingestuft.
Ergebnis: Auf Platz Eins landete ein konventionelles Müsli, auf Platz
Fünf ein Biomüsli. Dass dieses bei Schwermetallen und Pestiziden deutlich
besser abschnitt, spielte keine Rolle, wohl aber die ernährungsphysiologische
Qualität und das Kleingedruckte auf der Verpackung, die von den Testern
besser bewertet wurden.

Ökologische Qualitäten sind für »Stiftung Warentest« kein Qualitätsmerkmal
Damit wird bereits die Problematik der Stiftung-Warentest-Aussage klar: Was dem gesunden Menschenverstand als logisch erscheint, nämlich dass ein Produkt mit einem geringeren Giftanteil auch gesünder ist, sieht rein juristisch ganz anders aus. Die Stiftung wörtlich: »... selbst deutliche Belastungen mit den in Europa rund 400 zugelassenen Pestiziden stellen nach wissenschaftlicher Einschätzung kein gesundheitliches Risiko dar«. Mit anderen Worten: Auch wenn sämtliche 400 Pestizide in einem Produkt zusammen kämen, aber die Verpackung zweckmäßiger wäre als die eines giftfreien Bioprodukts, wäre dem konventionellen Produkt eine höhere Qualität zu bescheinigen. Auch die Menge der sekundären Pflanzenstoffe im Produkt sei für die Bewertung unerheblich. Umgekehrt gesteht die Stiftung, man habe »in keinem Bioprodukt aus pflanzlichen Zutaten Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln« nachweisen können.
Andere Qualitäten von Produkten aus ökologischem Anbau spielten für
die Bewertung ebenfalls keine Rolle:
- unerheblich war der Grad der Naturnähe der Inhaltsstoffe
- unerheblich war die Verantwortung des Anbieters dafür, dass keine gentechnisch verunreinigten Zutaten in der Herstellungskette (von Rohstoffen über Zutaten bis zu Verunreinigungen bei der Verarbeitung) auftauchen
- unerheblich war die ökologische Verantwortung des Anbieters für Natur, Boden, Grundwasser oder Umwelt
- unerheblich war die soziale Verantwortung des Anbieters für die sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz
- unerheblich war die Gesamtverantwortung des Anbieters für die Übersicht über den gesamten Herstellungsprozess
Unbewiesenes spielt keine Rolle
Viele, ja entscheidende Merkmale für die Qualität eines ökologischen Produkts konnten aus der inneren Logik des Warentest heraus nicht berücksichtigt werden. Berücksichtigt wurde auch nicht, was gar nicht berücksichtigt werden kann: nämlich die Kreuzreaktionen der jeweiligen Gifte und synthetischen Aromazusätze im Produkt und im menschlichen Stoffwechsel. Beide Aspekte sind wissenschaftlich völlig unerforscht, machen aber das eigentliche Gefahrenpotenzial von synthetischen Inhaltsstoffen aus. Was aber als wissenschaftlicher Fakt nicht existiert, kann im Test auch nicht gewertet werden.
Konventionelle und ökologisch erzeugte Lebensmittel zu vergleichen ist also mehr als problematisch, wenn nicht unzulässig. Nur weil sowohl Fische wie Kühe Tiere sind, wird man sie dennoch nicht miteinander vergleichen wollen. Dann nämlich gelangte man zu dem Urteil: Kühe sind für Aquarien ungeeignet.





Bobby Langer
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