Integrative Medizin

Zu einem ganzheitlichen medizinischen
System gehört auch die Akupunktur
Was ist die beste Therapie für den Patienten?
Das Verhältnis von Schulmedizin und alternativen medizinischen Methoden hier als Komplementärmedizin zusammengefasst ist im deutschen Gesundheitssystem immer noch belastet durch gegenseitiges Misstrauen, Abgrenzung und teilweise Ablehnung. Zwischen beiden Systemen vielmehr Grundkonzepten besteht wenig Kooperation, »bestenfalls« eine asymmetrische Koexistenz: Während in den medizinischen Fakultäten vorwiegend schulmedizinische Auffassungen vermittelt und angewandt werden, ist in weiten Bereichen der ambulanten medizinischen Versorgung die Nutzung von Komplementärmedizin verbreitet. Diese Situation geht dabei häufig zu Lasten des Patienten, der Anspruch auf die für ihn am besten geeignete Therapie oder Therapiekombination hat.
Die moderne Schulmedizin hat mit ihren technisch-diagnostischen Errungenschaften
bei vielen Erkrankungen Enormes geleistet. Nichts desto trotz sollte sie nicht
allein auf den Begriff der naturwissenschaftlichen Medizin reduziert werden.
Vor allem Patienten beklagen, dass die schulmedizinische Konzentration auf Erkrankungssymptome
den Menschen leicht in den Hintergrund rücken lässt. Vielmehr wächst
der Wunsch vieler Patienten nach einem ganzheitlich empfundenen medizinischen
System, in dem es nicht mehr nur um Krankheitskontrolle sondern um eine aktive
Rolle in Krankheitsbewältigung und Therapie geht.
Darin liegt wohl ein wichtiger Grund für die deutlich zunehmende Nachfrage
nach komplementärmedizinischen Angeboten. Auch wenn dieser Trend per se
nicht als Beleg für die Wirksamkeit der Komplementärmedizin aufzufassen
ist, zeigt er jedoch deutlich, dass sowohl Patienten als auch Ärzte ein
starkes Bedürfnis nach Erweiterung der therapeutischen Optionen haben
insbesondere bei chronischen oder nicht heilbaren Krankheiten.
Unter Komplementärmedizin wird eine Vielzahl unterschiedlicher Theorie-
und Praxisansätze zusammengefasst, deren gemeinsames Merkmal es ist, dass
sie nicht zur konventionellen, wissenschaftlich etablierten Medizin gerechnet
werden. Den meisten komplementärmedizinischen Ansätzen ist ein Bild
vom Menschen gemeinsam, das über die somatische Ebene hinausweist und sich
aus tradierten Kulturen oder anthroposophischen Erkenntnissen ableitet. Im Gegensatz
zu schulmedizinischen Auffassungen steht bei einem komplementärmedizinischen
Ansatz die Unterstützung derjenigen Prozesse im Körper im Vordergrund,
die der Organismus selbst in der Auseinandersetzung mit der Erkrankung aufruft.
Heilung bedeutet also nicht nur das Zurückdrängen der Erkrankung,
sondern auch ein Lernen an und mit der Erkrankung.

Prävention mit Entspannung:
Qi Gong stärkt die Selbstheilungskräfte
Vermittler zwischen den Systemen
Vor diesem geschilderten Hintergrund hat sich die Integrative Medizin zu einem
wichtigen Feld in der medizinischen Versorgung entwickelt. Die Integrative Medizin
versteht sich als Brücke zwischen schulmedizinischen und komplementär-medizinischen
Verfahren und Anbietern und basiert auf einer Annäherung zwischen den vermeintlich
konträren Systemen.
Anliegen ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen medizinischen
Ansätze und Konzeptionen offen zu legen und nach ihrem wechselseitigen
Ergänzungspotenzial zu fragen.
Im Zentrum der Integrativen Medizin steht der Patient als Individuum. Durch
eine integrierte Behandlung des Patienten, die schul- und komplementärmedizinischen
Therapieverfahren gleichermaßen berücksichtigt, soll seine medizinische
Versorgung einschließlich seiner Lebensqualität entscheidend verbessert
werden.
Forschung in den Praxisalltag integriert
Durch eine intensive Forschungsarbeit im Bereich der Komplementärmedizin konnte sich das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Universitätsmedizin in Berlin zu einer führenden Institution auf dem Gebiet der Integrativen Medizin entwickeln. Die Lehre im Medizinstudium wird hier erweitert durch Wahlpflichtpraktika, bei denen das Institut auf Wunsch zusätzlich die Fächer Gesundheitsökonomie und Komplementärmedizin anbietet. Dazu kommen weitere Kernfächer, so dass die Studierenden mit aktuellen Entwicklungen des Gesundheitssystems, der Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie vertraut werden. Neben Forschung und Lehre wird darüber hinaus auch klinische Versorgung angeboten.
2007 eröffnete das Institut nach über 10 jähriger intensiver
Forschungsarbeit die Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin
(CHAMP). Damit hat sich das Institut für Sozial-medizin, Epidemiologie
und Gesundheitswissenschaften zur Aufgabe gesetzt, wissenschaftliche Ergebnisse
in die Praxis der klinischen Versorgung umzusetzen, um eine moderne ganzheitliche
medizinische Versorgung zu gestalten. In der Ambulanz werden unter wissenschaftlicher
Überprüfung Methoden der Schulmedizin mit etablierten Verfahren wie
Naturheilkunde, Chinesischer Medizin und Homöopathie zu einer modernen
umfassenden und individuellen Medizin kombiniert und wissenschaftlich erforscht.
Ziel ist es, so die individuell beste Therapie für den Patienten zu finden
und Nebenwirkungen so weit wie möglich zu reduzieren.
Mit dieser Kombination und Kooperation aus medizinischer Forschung und medizinischer
integrierter Versorgung, trägt das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie
und Gesundheits-wissenschaften aktiv dazu bei, weltweite Standards für
methodisch anspruchsvolle klinische Untersuchungen komplementärmedizinischen
Therapieverfahren zu etablieren. Damit schafft das Institut eine entscheidende
Basis für die Entwicklung der Integrativen Medizin.
-Dr. med. Anne Berghöfer Referentin Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
- Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen und Gesundheitstrainer setzen Forschungsergebnisse aus der Prävention in die Praxis um. Ziel ist es, gesunde und kranke Bürger durch moderne Beratungskonzepte wie das Gesundheitscoaching zu nachhaltigen gesunden Lebensstilveränderungen zu befähigen.
- Im Sinne der Integrativen Medizin wird konventionelle Medizin um komplementäre Methoden wie Akupunktur, Naturheilverfahren und Homöopathie erweitert, um Patienten die jeweils bestmögliche Therapiekombination anzubieten.






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