Über die Hälfte aller Schwangerschaften sind Mehrlingsschwangerschaften

© Stephanie Hofschlaeger pixelio.de
Der verlorene Zwilling
Viele Menschen gehen oft jahrelang in Therapie, um sich von ihren Verlustängsten, unerklärlichen Schuldgefühlen, ihrer Panik in engen Räumen oder anderen unangenehmen Gefühlen zu befreien. Doch oft ohne Erfolg - und das Gefühl, das etwas nicht stimmt, wird noch stärker! »Die eigentliche Hintergrundkulisse und die damit verbundene Lösung ist vielfach der Verlust eines Zwillingpartners im Mutterleib. Doch dieser Tatsache wird noch viel zu wenig Bedeutung für unsere spätere Lebensentwicklung beigemessen«, so der systemisch-soziologische Coach und Buchautor Hans-Peter Hepe.
Dieses bislang wenig bekannte und unterschätzte Phänomen findet immer mehr wissenschaftliche Beachtung. Aus der Sicht der Biologie stellt der vorgeburtliche Tod keine Besonderheit dar. Nach neuen Schätzungen sind zwischen 50 und 78 Prozent aller Schwangerschaften Mehrlingsschwangerschaften. So hat mindestens jedes zweite Kind, das zur Welt kommt, während seiner Entwicklung im Uterus ein Schwesterchen oder Brüderchen verloren - meistens in den ersten Wochen und ohne das die schwangere Mutter etwas von dem Todeskampf in ihrer Gebärmutter bemerkte.
Mit hochmodernen Ultraschallgeräten konnte der amerikanische Forscher David Chamberlain (1998) sehen, dass bereits acht Wochen alte Embryos bewusst wahrnehmen und reagieren können. Wenn der Embryo nach seiner Einnistung eine gewisse Größe erreicht hat, spürt er den anderen und die Gegenwart des anderen sehr genau. Als erstes hört er seinen eigenen Blutkreislauf und den des Zwillings, noch bevor das Herz anfängt zu schlagen. Das Ohr ist das erste, was ein werdender Mensch ausbildet. Erst dann beginnt das Herz zu schlagen und das Gehirn sich zu entwickeln. Näher als die Darmgeräusche und den Herzschlag der Mutter hört der eine Zwilling den anderen. Er beginnt mit dem anderen Kontakt aufzunehmen, mit ihm zu spielen und zu fühlen. Diese vorgeburtliche Beziehung und der folgende Verlust dieser ersten Beziehung kann unser ganzes späteres Verhalten prägen. Doch leider wird der Tatsache, dass das Neugeborene einen verlorenen Zwillingspartner hatte, viel zu wenig Bedeutung beigemessen.
Jemand, der im Mutterleib ein Zwillingsgeschwisterchen verloren hat, leidet in seinem späteren Leben an den Auswirkungen dieses unbewussten Verlustes. Sie können nicht mit ihrer ganzen Kraft im Leben sein. Schuldgefühle gegenüber Anderen und Angst vor Trennungen bindet Energie und verhindert Beziehungen vollständig einzugehen. Die einen meiden Nähe aus Angst vor Verlust, die Anderen suchen immerzu mehr Innigkeit, als ein Partner zu geben vermag. Viele erlauben sich nicht glücklich zu sein, im unbewussten Angesicht des verloren gegangenen Zwillings.

© Ronny Senst pixelio.de
»Liebe bedeutet Tod«
Da sagte eine Teilnehmerin: »Liebe bedeutet Tod«. Bei einem systemischen Einzelcoaching zeigte sich, dass im Augenblick der höchsten Liebe und der Verschmelzung mit einem Zwillingsgeschwisterchen dieses kurz darauf stirbt. Das Drama im Mutterbauch kann nicht größer sein: Panik, Todesangst, Verzweiflung, tiefe Trauer, auch Wut über das Gehen des Geschwisterchen, das oft wie Verrat erlebt wird. Auch will sie dem Geschwisterchen folgen, das heißt auch zu sterben, um bei ihm zu sein.
Dies alles mündet in Resignation und Apathie und in ihrem späteren
Leben verbietet sie sich einen Partner zu lieben, weil er ja sonst sterben könnte.
Vor dieser Hintergrundkulisse ist die Lebensdarstellung der Teilnehmerin mehr
als verständlich: »Liebe bedeutet Tod«.
»Das Wiederfinden des Anderen ist ein Wendepunkt im Leben. Waren all die
Verlustängste, Panikattacken, die vielen kleinen körperlichen wie
auch seelischen Schmerzen für uns so lange Zeit unverständlich und
sinnlos, werden wir im Wiederentdecken des Anderen leicht und vieles ergibt
jetzt endlich einen Sinn. Wir kämpfen nicht um unser Dasein, sondern um
den Sinn unseres Daseins. Jetzt können Wunden und Verwirrungen von selbst
heilen. Selbstheilung. Ein systemisch-soziologisches Coaching kann die entscheidenden
Impulse geben, die einen Prozess in Gang setzen können, an dessen Ende
endlich eine körperliche und mentale Freiheit empfunden wird«, so
der systemisch-soziologische Coach Hans-Peter Hepe.






Facebook
MySpace
Twitter




















