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Interview mit John de Ruiter

Artikel - Interviews

Interview mit John de Ruiter
John de Ruiter

»Meine spirituelle Technik ist Ehrlichkeit«

John de Ruiter ist Philosoph und Autor für den »tiefsten Sinn des Lebens«. John de Ruiter gründete das »College of Integrated Philosophy« in Edmonton, Kanada, in dem er wöchentlich Meetings und vierteljährlich Seminare hält. Mehrmals im Jahr kommt er nach Europa und Deutschland.

Warum sind die Meetings so langsam? Warum sprechen Sie so langsam?

Weil meine Verbindung zu der Person, mit der ich spreche, aus der Tiefe kommt. Je tiefer die Ebene, von der ich komme, umso mehr geschieht in dieser Verbindung, und sehr viel passiert zwischen den Worten. Daher mag es langsam ausssehen, aber tatsächlich passiert sehr viel. Wenn ich still bin, heißt das keineswegs, daß ich nur still bin.

Warum besuchen die Menschen ihre Seminare?

Sie wollen sich etwas Tieferem in Ihnen bewußt werden.

Und was ist das?

(John de Ruiter schaut mir in die Augen und während sich unsere Blicke für ein paar Sekunden treffen, verschwimmt die Welt vor mir und mir wird ein wenig schwindelig. Dann spricht er:) Das, was unserem normalen Selbst sein Leben gibt.

Heißt das also, daß es in unserem Inneren eine Art Sein gibt, ein wahres Selbst?

Ja. Ein ursprüngliches Selbst. Es ist schwieriger für uns wahrzunehmen, weil es keine Form hat. Es ist leichter, sich dessen bewußt zu sein, was Form hat.

Müssen wir dafür arbeiten oder uns besondere Mühe machen, um dieser Abwesenheit von Form gewahr zu werden?

Wir müssen verstehen, daß wir nicht das Resultat, das Ergebnis von etwas verwenden können, um zu erfassen, was ihm vorausgeht, was seine Ursache ist.

Interview mit John de Ruiter
John de Ruiter beim Meeting

Meinen Sie, daß wir uns tatsächlich der Abwesenheit von Form unmittelbar bewußt sein sollten? Auf direkte Weise?

Es geschieht unmittelbar. Wir sollten uns bemühen, und die Mühe besteht darin, alles was wir haben und alles was wir sind, zu einem Punkt zu führen – unserem Sein. Und wenn wir diesen Punkt finden, erkennen wir ihn sofort.

Es handelt sich also um einen Fokus des Bewußtseins? Eine Art Meditation?

Das kann hilfreich sein. Alles kann helfen, genauso wie ein Spaziergang. Was dich am Spaziergang befriedigt ist dann das selbe, was dein Herz erfüllt. Es kann leicht verwechselt werden mit unserem Bedürfnis etwas zu bekommen. Zum Beispiel geht es in der Meditation darum, unsere Aufmerksamkeit dem zu schenken, was die Meditation möglich macht. Und in einem gewissen Moment wird es dir bewußt. Das Wissen bleibt. Die Erfahrung verändert sich ständig.

Aber in unserem Leben findet eine Transformation statt?

Ja. Aber das kann leicht mißverstanden werden. Wie in der Meditation – sobald du eine positive Erfahrung hast, versuchst du sofort, diese zu wiederholen. Du benutzt dann die Form, die dir schon bekannt ist, um mehr Formen zu produzieren.

Empfehlen Sie eine bestimmte spirituelle Technik?

Ehrlichkeit. So tief, daß sie alle Formen durchdringt. Ehrlichkeit, der sich alles andere hingibt. Langsam, ganz langsam führt die Ehrlichkeit dich zur Wahrheit hin, aber sie zeigt sie dir sofort und unmittelbar.

Dieses ursprüngliche Selbst, wie sehr ist es John oder Tomer? Ist es ein Individuum?

Wenn wir tiefer gehen, zu der Ebene des ursprünglichen Selbst, dann gibt es da keinen Unterschied. Das ursprüngliche Selbst erscheint einfach in verschiedenen Formen, erkannte Formen und erfaßbare Formen. Und jede Form ist anders. Aber Es ist in allen gegenwärtig.

Das Interview führte Tomer Persico



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