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Auf der Suche nach der unernsten Wahrheit Teil 2

Artikel - Lebenskunst/Weisheit

Hare Krishna Sänger
Hare Krishna Sänger

Hare Krishna - Dualität oder Lebensfreude?

connection-Autor Dr. Roland Schutzbach begibt sich ab Oktober auf eine kleine Weltreise über Indien, Bali, Australien und Chile. Den ganzen Sommer ist er aber schon mit seinem Lach-Mobil in der Schweiz unterwegs auf der Suche nach der »nicht-ernsten« Wahrheit. Nach der Begegnung mit Swamiji und der Einladung nach Indien ist das Interesse für die Kultur dieses Subkontinents in ihm neu erwacht. Als er in Bern eine fröhliche Gruppe von Hare-Krishna-Sängern am Straßenrand sieht, ist der Kontakt schnell da, und er läßt sich die Adresse geben. Wenige Tage später ist er schon dort.

Während Christina ihrem temporären Beruf in Solothurn nachgeht, zieht es mich nach Langenthal in das Hare Krishna Zentrum.

Ich parke unser Mobilhome Halleluja vor dem ehemaligen Gasthof Ochsen und werde von jungen Menschen sofort herzlich begrüsst  ein angenehmer Gegensatz zu manchen Erlebnissen mit Schweizer Anwohnern, die unser buntes Gefährt eher skeptisch betrachten. Im Haus wird gerade umgebaut. Ich treffe auf Rasayanam, kahlgeschoren mit dem typtischen Hare Krishna-Haarschopf. Er freut sich über den unerwarteten Besuch und führt mich im Haus herum.

Ich habe Vor-Erfahrung: Vor etwa 10 Jahren weilte ich als Gast in einer großen Hare Krishna-Gemeinschaft in Deutschland. Dort fand ein großes Treffen von alternativen Gemeinschaften statt, ich fühlte mich wohl und fand auch Freunde. Mit einem von ihnen, Rama Gopala, bin ich heute noch manchmal in Kontakt.
Mich beeindruckte damals das unbegrenzte Gottvertrauen von Rama Gopala. Er fühlte sich sicher und geborgen in den Händen Gottes, daran war nicht zu rütteln.

Rasayanam führt mich durchs Haus, durch die Baustellen. Die Gruppe von ca. sieben Personen hat das Haus im letzten September bezogen. Ihr spiritueller Lehrer Candra Prabhu aus Indien wird nächste Woche kommen.

Im ersten Stock ist ein großer Saal  der ehemalige Tanzsaal der Gasthofs. Rasayanam wirft sich auf den Boden mit Blick auf den Altar. Trommeln und Instrumente zieren den Raum. »Jeden Abend machen wir hier Musik und tanzen«, erklärt er mir später.

Rasayanam ist ein junger Vater, der im Gasthof mit seiner Frau und dem Baby wohnt. Er hat ein Babyphon bei sich und verlässt mich ab und zu, wenn das Kind schreit.

Im Büro treffen wir uns wieder, und mein Gastgeber erklärt mir die Lebensweise der Hare Krishna.

Sie folgen strikten Regeln und gehen davon aus, dass der Mensch ohne strenge Schulung nicht zum wirklichen Glück gelangen kann. Gemäß indischer Tradition ist das Leben grundsätzlich leidvoll. Es geht darum, das Rad der Wiedergeburten zu verlassen. Die Gurus haben diesen Weg schon gemacht und können daher dem Suchenden helfen. Es ist überhaupt nicht einfach, den Weg zu finden!
Bei mir lösen diese Botschaften nicht unbedingt Freude oder Lachen aus. Ich fühle mich ein wenig erinnert an die christliche Botschaft: Nur der dornige Weg fühlt zum Ziel; der Weg zu Gott ist unbequem, usw. usw.
In der Tat strahlt mein Gegenüber eine gewisse Schwere aus.
Als ich mich später verabschieden will, werde ich zum Mittagessen eingeladen und nehme an. Im ersten Stock sitzen ca. fünf Menschen auf dem Boden und genießen das indische Essen. Ich geselle mich dazu. Eine gemütliche, herzliche Stimmung herrscht.

Ein junger Mann fragt mich: »Und du machst Lach-Yoga? Das finde ich schön. Lachen ist ein Weg zu Gott, so wie Singen.«
»Da hast du Recht, antworte ich. »Es ist ein Weg der Leichtigkeit«.
»Ich bin Priester. Ich habe 14 Jahre in Indien gelebt, und jetzt bin ich wieder hier«, berichtet der junge Schweizer. Ein schönes Strahlen geht von seinem Gesicht aus.
»Wie bist du zu uns gekommen?«
»Ich habe euch kürzlich in Bern gesehen«, antworte ich. »Wir sind gegenwärtig mit unserem Mobilhome in der Nähe  und da habe ich mal vorbei geschaut.«
»Du kannst jederzeit vorbei kommen und auch bei uns essen«, sagt mein neuer Freund Gopal Krita. »Nächste Woche kommt unser spiritueller Lehrer, ein sehr guter Mensch. Vielleicht willst du ihn kennen lernen?«
Klar, warum nicht?

Ich verlasse das Zentrum einerseits bereichert und andererseits mit Fragen: Kann es wirklich noch ein spiritueller Weg sein, sich strengen Regeln zu unterwerfen? Ist das Leben leidvoll?  Für mich ist das Leben lustvoll und freudig; schon lange habe ich beschlossen, mir solche Dinge nicht mehr einreden zu lassen.

Nun, wir werden sehen. Jedenfalls ist diese Begegnung eine spannende Einführung in die traditionelle indische Spiritualität. Mir scheint, dass diese jungen Menschen, auch mit vielen Regeln, ein erfülltes, sinnvolles Leben führen. Sie haben ein Ziel, sie haben eine Ausrichtung. Wie schön!

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Dr. Roland Schutzbach, Philosoph und Autor, entwickelte die lachenden Philosophie. Seit dem Winter 2008/09 befindet er sich mit Christina Fleur de Lys auf einer immerwährenden Reise. Diese Reise wird sich im November 2009 zu einer Weltreise erweitern. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Lachend das Leben feiern“ (erschienen 2003 im Narrosophischen Verlach)


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