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Wechseljahre

Artikel - Lebenskunst/Weisheit

Wechseljahre
Bernd Boscolo © pixelio.de

Die Schwelle zur weisen Frau

Wie viele Frauen glauben, dass die Wechseljahre ein Frauenschicksal sind, dem frau mit Hormonen vielleicht entkommen kann? Wie viele Frauen befürchten, dass diese Zeit das Ende vom Frausein und von der Schönheit sind? Ich schätze, dass es viele sind. Wie viele Frauen verfügen über ein gestärktes Frauenbewusstsein, um gegen die Jugendkultur, gegen die Medien- und Medizin-Normen gewappnet zu sein und sich nicht enteignen zu lassen  durch Osteoporose-Angst, Schönheits-Chirurgie und Gewinnsucht der Pharma Industrie? Leider noch nicht alle, denn die Frau in den Wechseljahren hat meist nicht das positive Vorbild ihrer Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, der langen Ahninnenreihe, mit deren Hilfe sie gestärkt die Übergänge ihres Lebenszyklus begreifen, ehren und feiern lernt.

Schon bei dem ersten großen Übergang in die Zeit der Mondbluts stehen die jungen Frauen oft allein und entwurzelt da und müssen sich ihren neuen Weg selbst ertasten. Der große Übergang aus der Zeit des Mondbluts in die Zeit der Weisen Frau ist nun wirklich eine neue Chance, den Frauenweg bewusst, stolz, kraftvoll und eigenmächtig zu gehen. Wechseljahre sind keine Krankheit, sie sind Wandlungsjahre für unserer Persönlichkeit, sie lehren uns loszulassen und uns neu zu finden. Sie sind eine erfahrbare Schwelle zum Reich der Weisen Alten.

In den indigenen Stammeskulturen weltweit gewinnt eine Frau an Achtung, Ehrung und Macht je älter sie wird, denn die Gemeinschaft profitiert davon, dass sie ihre Persönlichkeit bereits entwickelt hat, dass sie ihren Körper versteht, dass sie ihren Platz in der Gemeinschaft kennt und Meisterschaft in zwischenmenschlichen Beziehungen erlangt hat. Bei den Cherokees in Nordamerika gilt eine Frau erst mit 54 Jahren als erwachsen. Großmutter ist in diesen Kulturen ein Ehrentitel. Die Schönheit der Gesichter der alten Frauen in den Stammeskulturen drückt ihre Würde, Weisheit, innere Zufriedenheit und das Eingebundensein in spirituelle Werte aus.

Wechseljahre
Dieter Schütz © pixelio.de

Vergleichbar dazu haben wir die alteuropäische Tradition der Weisen Frauen, die uns mit unserer Ahninnenreihe verbindet und mit der uralten und selbstverständlichen matriarchalen Frauenkraft verwurzelt und stärkt, aus einer Zeit jenseits der brennenden Scheiterhaufen. Auch in dieser Tradition wird eine Frau über die Schwellen ihres Lebenszyklus mit der Kraft eines Rituals begleitet, gesegnet und gestärkt.

Im Ritual steht die Frau, die ihren Übergang, ihre Wechselzeit rituell stärken möchte, mit anderen Frauen im Kreis zusammen, Freundinnen, Töchter, Geliebte. Gemeinsam erschaffen sie den geschützten und magischen Raum und rufen die Kräfte der Elemente, die Verbündeten aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralienreich und die Große Göttin mit hinein. Vor allem die Pflanzenverbündete unterstützen uns Frauen in diesem Schwellenreich, z. B. der Löwenzahn stärkt die Knochen und die Vitalität, der Salbei sorgt für den Ausgleich der Hitzewallungen und für lange Gesundheit , der Granatapfel gleicht den Östrogenhaushalt aus und beschert die Lust und reiche Ernte der Matriarchin. Im Ritual geht die Frau des Übergangs noch einmal ihren Lebensweg ab. Sie erinnert sich an ihre weiße Phase des Lebenszyklus, der Zeit der jungen unabhängigen und ungezähmten Kraft. Was war für sie in der weißen Phase wichtig? Was will sie aus dieser Zeit endgültig loslassen? Was will sie gern in die nächste Phase mitnehmen? Dann geht sie die Stationen ihrer roten Phase ab, der Phase der Fülle ihrer Körperkraft, Liebeskraft und Schaffenskraft, oft auch die Zeit als Familienmutter, die Verantwortung für ihre Familien trägt. Die Frau entscheidet dann, was sie endgültig loslassen möchte und was sie gern in die neue schwarze Phase mitnehmen möchte, die Zeit der inneren Reife, der größeren Schau und des magischen Wissens. Rituell tritt die Frau dann in ihre neue schwarze Phase ein und lässt Visionen aufsteigen, was jetzt für sie wichtig ist, was sie von der Zukunft anweht. Die älteren Frauen im Kreis segnen sie, die jüngeren erbitten von ihr Worte der Weisheit.

Ein solches Ritual ehrt die Bedeutung dieses Übergangs und gibt das Vertrauen in den spiraligen Lebenstanz und in die eigenen Frauenkraft.

Vielleicht fühlt sich eine Frau so um die 50 noch viel zu jung für den ehrwürdigen Kreis der Weisen Alten? Dann ist sie eben erst eine Baby-Großmutter, wie es Carolyn Hillier aus Dartmoor ausdrückte.

Was bringt die neue Lebensphase nach dem Überschreiten der Schwelle? Vielleicht den Mut, Schutzräume für die Zeit der Häutungen einzufordern. Vielleicht: Zeit und Kraft für berufliches Engagement, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Vielleicht Abenteuer-Reisen, verrückte Outfits und Hobbies, denn was kümmert es uns noch, was die anderen denken. Vielleicht häxisches Lachen mit unseren Freundinnen, Ausleben von Träumen, Selbstentfaltung, Frauenbündnisse... Das neue Reich ist das Reich der Freiheit: Freiheit vom Anpassungsdruck, Freiheit von Sexnormen, Freiheit für ungezähmtes und authentisches Sein.

Und eh wir es gemerkt haben, sind wir mit den Jahren doch tatsächlich hinübergewechselt in das Reich der Weisen Frauen, der schwarzen, magischen Alten. Unsere Gelassenheit, die Rollenspiele zu durchschauen und selbst daraus auszusteigen, unser Mutterwitz, unserer Verwurzelung mit den eigenen Ursprüngen, unser inneres Wissen zu den scheinbar verworrenen Lebensentwürfen, unser Humor darüber, uns selbst doch immer wieder in den anderen gespiegelt zu finden, unsere unverblümte Aufmüpfigkeit, unsere Klarheit über unsere Ernte  so viel Reichtum ist auf einmal da, in den Schoß gefallen im neuen Reich jenseits der Schwelle der Wechseljahre.

- Sirilya Dorothee von Gagern

Sirilya Dorothee von Gagern , Biologin, geistige Heilerin und spirituelle Wegbegleiterin, Gaiamantin, seit mehr als 20 Jahren berufliche Erfahrung mit Licht- und Energiearbeit im feinstofflichen Heilbereich, mit Frauen-Spiritualität und im Frauengesundheitsbereich.

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Kommentare  

 
0 # Pramada D. Allgöwer 2009-07-03 20:56
Seit einigen Jahren habe ich die Wechseljahre hinter mir und bin sehr froh über meine neue Lebensphase. Schon allein die Erleichterung, nicht mehr verhüten zu müssen! Ich merke auch, dass ich kraftvoller werde, körperlich und seelisch. Diese Jahr werde ich in den Alpen zum ersten Mal einen Berg über 4000m Höhe besteigen. Innerlich stehe ich mit Klarheit und Kraft viel mehr zu mir als früher.
Noch einige Tipps um leichter durch die Wechseljahre zu kommen: Wie Sirilya so gut beschrieben hat, ist eine positive Einstellung sehr wichtig. Wie ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Heilpraktikerin weiß, haben Frauen, die sich über die neue Lebensphase freuen, wesentlich weniger Wechselsjahresb eschwerden als andere, die sich deswegen alt und wertlos fühlen. Es wäre gut, diese Einstellungen gründlich zu hinterfragen. Zusätzlich können Wechselsjahresb eschwerden mit Akupunktur, Traubensilberke rze, Yamswurzel, Rotklee, Soyaisoflavonen , Agnus castus oder Johannisbeerker nen gelindert werden. Auch die von Sirilya erwähnten Pflanzen können gut wirken. Jede Frau braucht da Ihre eigene Pflanzenkombina tion und/oder ihre individuellen Akupunkturpunkt e.
Ich wünsche allen Frauen in den Wechseljahren, die dies lesen, einen guten Durchgang - Wechseljahre sind Powerjahre!
Pramada
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