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Editorial connection extra 2

Magazintexte - Was ist Schamanismus?

Im Angebots-Dschungel

Photo Christine Höfig

Als wir bekannt gaben, dass das Thema unseres zweiten Schamanismus extra »Schamanismus und Psychotherapie« ist, wurden wir geradezu überschüttet mit Artikelangeboten. Anscheinend sind wir hier auf ein Nest gestoßen – die Verbindung von Schamanismus und Psychotherapie scheint brennend zu interessieren. Ein schon seit längerem zu beobachtender Trend ist, dass sich mehr und mehr Therapeuten eine schamanische Zusatzausbildung zulegen. Entsprechende Angebote sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Die Verbindung von Psychotherapie und Schamanismus ist ja auch sinnvoll – die Methoden können sich gut ergänzen. Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss betrachtete schamanische Séancen als eine psychologische Manipulation mit dem Zweck, durch die Anwendung mythologischer Metaphern Heilung zu erzielen. Er sah nur einen grundlegenden Unterschied zwischen Psychoanalytikern und Schamanen: Erstere würden nur zuhören, während letztere auch zu ihren Patienten sprachen.

Waren Schamanen also die Psychotherapeuten der Indigenen? Waren sie Psychotherapeuten, Mediziner und Berater ihres Stammes? Wahrscheinlich eine Mischung aus alledem.

Was also wäre passender als eine Synthese von Psychotherapie und Schamanismus, diesen beiden ähnlichen, sich überschneidenden Gebieten? Warum nicht neben der Gesprächs- und Verhaltenstherapie noch Seelenrückholung und Geistreisen anbieten? Warum nicht den Heilungsprozess durch Trommelsessions und Trancen unterstützen?

Echte und Pseudo-Schamanen

Natürlich macht ein Kurs im Trommeln noch keinen Schamanen. Hier mal eine Wochenend-Weiterbildung, da mal ein Online-Kurs in Schamanismus – so mancher selbsternannte (oder auch von anderen autorisierte) Schamane hüpft von einem Workshop zum nächsten, ohne das Erlernte wirklich zu vertiefen. Im traditionellen Schamanismus dauert die Lehrzeit viele Jahre, ist mühsam, oft auch gefährlich, und die dazu Berufenen empfinden einen solchen »Ruf« häufig als Bürde. Deswegen verzichten viele von denen, die eine Ausbildung in schamanischen Techniken hinter sich gebracht haben, darauf, sich »Schamane« zu nennen. Sie nennen sich lieber »Shamanic Practicioner«. Auch unter ihnen mag es Scharlatane geben oder welche, die ihre Fähigkeiten überschätzen. Die Gefahr besteht, dass ein solcher mehr schadet als nützt. Welcher Practicioner etwas taugt, das muss der Heilung oder Weisheit Suchende wohl im Einzelfall für sich entscheiden. Genaues Beobachten und Hinspüren hilft dabei.

Dasselbe gilt für die vielen Angebote schamanischer Zusatzausbildungen. Welche von ihnen taugen was? Die Suche nach dem richtigen Ausbilder führt in ein unübersichtliches Dickicht der Angebote. In diesem Dschungel findet man alles – von soliden Ausbildungen bis hin zu Lehrern, die mehr daran interessiert sind, damit Geld zu verdienen, als Wissen weiterzugeben.

Ähnliches gilt natürlich auch für traditionelle Schamanen. Auch hier gibt es mehr oder weniger geeignete Lehrer und Heiler. Auch Schamanen, die aus einer uralten Tradition stammen und durch langwierige Einweihungszeremonien initiiert wurden, können irren, das sollte man nie vergessen! Außerdem kann natürlich das, was für den einen gut und richtig ist, für den anderen völlig verkehrt sein.

Seinen Weg im Schamanismus-Dickicht muss also wohl jeder selbst finden. Bei solcher Entscheidungsfindung zu helfen, das ist der Anspruch dieser Sonderheftreihe Schamanismus extra.

Christine Höfig
Redaktion connection Schamanismus extra
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