Veranstaltungen

aktuelle Veranstaltungen

Wer ist online?

Wir haben 221 Gäste online

Unsere Partner

Celebrate Life Festival

 

Love Revolution

 

 

 

Spektrum-News

Die Wissenschaftszeitung im Internet.
Icon

Die Pfui-Sekte

Magazintexte - Spirit

AddThis Social Bookmark Button

alt
Prominente Scientologen:
Tom Cruise und Katie Holmes

Wie eine geld- und machtbesessene Gesellschaft mit ihrer Karikatur umgeht

Seit vielen Jahren warnen die seriösen Institutionen unserer Gesellschaft vor den Sekten, insbesondere vor einer: Scientology. Nun inseriert die auch noch hier! Hat connection hiermit endgültig ihre Unabhängigkeit verloren? Eine Tirade ihres Herausgebers

Zum ersten Mal Kontakt mit Scientology bekam ich, als eine Freundin von mir, die immer mal wieder Phasen von Depression erlitt, dort Auditing-Kurse nahm. Das Auditing hatte ihr anfangs geholfen, nun wollte sie immer wieder dorthin, bezahlte viel dafür, die Kosten wurden immer höher, und sie verschuldete sich. Nun war die Depression schlimmer als zuvor, und sie hatte einen guten Grund mehr für ihre Deprimiertheit: die Verschuldung.

Um sie zu verstehen las ich in dem Dianetik-Buch von Ron Hubbard. Sein Größenwahn und Ehrgeiz stießen mich ab, auch seine Methoden und die Totalität seiner anmaßenden Forderungen. Ich konnte nicht verstehen, wie man sich in eine solche Organisation begeben konnte. Erst viele Jahre später lernte ich Menschen kennen, die ich schätze, obwohl sie Mitglied bei Scientology sind, wie etwa den Maler Carl-W. Röhrig, von dem wir in connection Bilder veröffentlicht haben, darunter auch Titelbilder, und den Verleger Michael Kent, der die beachtliche »Kent-Depesche« heraus gibt (erfreulich radikal in ihrer Gesellschaftskritik, leider weitgehend unkritisch gegenüber Verschwörungstheorien). Dann gibt es noch einige, die bei Scientology gelernt haben und dann ausgestiegen sind, um was Besseres zu gründen, wie etwa Harry Palmer mit der Avatar-Lehre.

Das Scientology-Hauptquartier in Berlin
Deutschland-Zentrale
von Scientology in Berlin

connection berichtet

In den Jahren 1994 bis 2001 veröffentlichten wir eine Reihe von Artikeln über »Religionen und religiöse Bewegungen« – insgesamt 44 gut recherchierte, mehrseitige Artikel, geliefert vom religionswissenschaftlichen Institut REMID in Marburg. Die Texte bestanden überwiegend aus einem einigermaßen neutral berichtenden faktischen Teil, dann kam eine kritische Würdigung. Behandelt wurden das Christentum, der Buddhismus, die Zeugen Jehovas, Falun Gong und viele andere, darunter auch (im Februar 1995) Scientology.

Das hatte Folgen. Was, ihr habt was über Scientology geschrieben? connection, ist das nicht die Zeitschrift, die über Scientology was geschrieben hat? Ich erinnere: Die 90er Jahre, das war die Zeit, in der Ursula Caberta ihre Feindschaft gegen Scientology entfaltete und damit bei den großen Massenmedien (Spiegel, ZDF u.a.) Gehör fand sowie auch in der Politik. Als ich damals an einer Volkshochschule Vorträge geben wollte, musste ich unterschreiben, nichts mit Scientology zu tun zu haben. Jeder musste das. Es war wie ein sich bekreuzigen, bevor man als Dozent in diese Stätte öffentlicher Bildung eingelassen wurde.

Hexenwahn

Tief eingeprägt aus dieser Zeit hat sich mir die anonyme Postwurfsendung in einem kleinen Ort nahe unseres Verlagssitzes Niedertaufkirchen. Dort wohnte ein Frau, die gelegentlich für uns im Connectionhaus Seminare bekocht hatte. Sonst hatte sie kaum etwas mit uns zu tun, wir waren nur locker befreundet. Die Postwurfsendung warnte die Bewohner ihres Ortes davor, ihre Kinder mit denen unserer Gelegenheitsköchin spielen zu lassen. Warum? Weil ihre Mutter bei uns gekocht hatte, in einem Haus, in dem eine Zeitschrift erstellt wurde, die u.a. über Scientology berichtet hatte. Kritisch berichtet – egal: Wir hatten berichtet. Damit war offenbar das ganze Haus infiziert von dem Bösen, und wer dort ein und aus ging (Köchinnen, Briefträger …) gleich mit.

Mich gruselt es bei solchen Vorfällen. Sie erinnern mich an den Hexenwahn, der Europa jahrhundertelang terrorisiert hatte, an Pogrome und Verfolgungen von Minderheiten aller Art, seien es nun ethnische, religiöse, politische oder sprachliche Minderheiten, Homosexuelle oder eben die so genannten »Sekten«, die ja meistens sehr friedliche Gruppen oder Grüppchen sind, oft viel friedlicher und friedlebender als die sie diffamierende Gesellschaft.

Kirche oder Unternehmen?

Unter diesen Gruppen ist Scientolgy auserkoren worden, auch dank des hohen persönlichen Einsatzes von Frau Caberta, als Vorzeige- und Pfui-Sekte zu dienen. Warum gerade Scientology? Ich meine, diesen Prominentenrang unter den Sekten hat Scientology der Tatsache zu verdanken, dass sie auf besondere Weise die sie diffamierende Gesellschaft karikiert. Ist Scientology eine Kirche oder »bloß« ein Wirtschaftsunternehmen? Die USA, Australien, Spanien, Portugal, Schweden und einige andere Länder haben sie als Kirche anerkannt. Als Russland der »Church of Scientology« den Status einer Religionsgemeinschaft versagte, fand der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das rechtswidrig – die Scientologen jubelten.

Von mir aus dürfen sie gerne den Status einer Kirche haben. Ich halte von Kirchen eh nicht viel. Auch Kirchen sind Wirtschaftsunternehmen, einige davon so erfolgreich, da können die Scientologen vor Neid erblassen. Ihre Mitgliederzahl wird, um Panik zu schüren, notorisch übertrieben, wozu auch sie selbst in ihrem Größenwahn gerne beitragen. Vermutlich sind es in Deutschland nur etwa 12.000, das ist ein Sechstel von einem Promille der Bevölkerung. Die katholische Kirche als Ganzes, mit ihren in Deutschland etwa 25 Millionen, weltweit ungefähr eine Milliarde Mitgliedern, richtet weit mehr Schaden an als die paar Scientologen. Ethisch würde ich Scientology in etwa so beurteilen wie das vom Papst so geschätzte Opus Dei. Es ist zahlenmäßig ungefähr so groß wie Scientology, aber unvergleichlich viel mächtiger.

»Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen«

»Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen«, das soll Voltaire gesagt haben (hat er aber nicht, sondern Evelyn Beatrice Hall 1906 in »Die Freunde von Voltaire«. Wörtlich hat Voltaire gesagt: »Du bist anderer Meinung als ich, und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen«. Quelle: Wikipedia). Ich halte Ron Hubbard für durchgeknallt und größenwahnsinnig, die scientologischen Methoden nur in den seltensten Fällen für hilfreich, und der Orga misstraue ich. Soweit meine Beurteilung. Aber ich setze mich dafür ein, dass sie ihre Meinung sagen dürfen! Zum Beispiel auch hier in dieser Zeitschrift, mit einer Anzeige.

Wer hat diesen Kommentar finanziert?

Anzeige? »Was bekommt ihr denn dafür? Und ich hatte gedacht, connection sei unabhängig …« Wir bekommen für die Dreimalschaltung der unten stehenden Anzeige circa 1.700 €. Wenn ich die Abokündigungen davon abziehe, die mir die Annahme einer Anzeige dieser Pfui-Sekte einbrocken wird, und den Rückzug von Anzeigen »seriöserer« Kunden, bleiben mir vielleicht 1.000 €. Ha, habe ich endlich mal einen Artikel bezahlt bekommen! Einen Artikel, in dem ich über die Kirchen lästern kann und mich belustigen darf über eine Gesellschaft, die ihr eigenes Spiegelbild jagt: In der Gier, Machtbesessenheit und Pseudoreligiosität der Scientology-Kirche spiegelt sich die Gier, Machtbesessenheit und Pseudoreligiosität einer Gesellschaft, in der die Banken um ein Vielfaches größer und besser eingerichtet sind als die Kirchen – eine Gesellschaft, die dem Mammon dient, dem Wahn und dem Schein und die bereit ist, dafür sogar die Natur zu opfern, die uns Jahrmillionen lang so gut ernährt hat.

Beschmuddel ich mit dieser Tirade einen Anzeigenkunden? Ich denke, die Scientologen sind härteren Tobak gewohnt. Mit unseren Juxanzeigen (siehe auch unser Juxanzeigenmuseum) belustigen wir uns seit Jahren über krasse Auswüchse der Eso-Szene. Wer trotzdem bei uns inseriert, hat Humor oder ein dickes Fell. Oder ist wirklich gut. Bei den Scientologen vermute ich, dass sie ein dickes Fell haben. Und sie dürfen sich freuen: Eine ganze Doppelseite Kommentar des Herausgebers der Zeitschrift! Aufmerksamkeit ist die Währung unserer Zeit.

Von Wolf Schneider

Bilder: Wikipedia, @ Kballard, James Harrison, Times

Kommentare  

 
0 #2 Orith Tempelman 2009-12-22 09:09 Nichts gegen Ihre Einschätzung von Scientology - ich hätte Ähnliches schreiben können. In unserer Zeitschrift (Wendezeit) sind wir aber konsequenter: eine Anzeige dieser Bewegung würde bei uns nie erscheinen. Weiss bei Ihnen die rechte Hand nicht, was die linke tut? Zitieren
 
 
+2 #1 Frank Busch 2009-10-26 22:05 „Respektieren sie die religiösen Überzeugungen“, ist ein Leitfaden, der, wenn er von allen Menschen angewendet würde zu einem toleranteren und friedvolleren Miteinander führen würde. Natürlich kann man über religiöse Überzeugungen trefflich streiten, aber nicht umsonst garantiert das Grundgesetz jedem Menschen, dass er dass glauben darf was er für richtig hält. Auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Recht auf die freie Religionsausübu ng als grundlegendes Menschenrecht verankert. L. Ron Hubbard schrieb einst: „Nichts in der Dianetik und der Scientology ist für Sie wahr, sofern Sie es nicht beobachtet haben, und es ist wahr entsprechend Ihrer Beobachtung“. Wenn Menschen in den Schriften von L. Ron Hubbard nicht für sich grundlegende Wahrheiten entdecken würden, dann wäre die Scientology Bewegung nicht innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf über 7000 Kirchen, Missionen, Gruppen in 165 Ländern mit Millionen von Mitgliedern auf der ganzen Welt angewachsen. Zitieren
 

Kommentar schreiben

Beiträge, die erkennbar nur verfasst wurden, um einen Link auf die eigene Webadresse zu setzen, werden entfernt


Sicherheitscode
Aktualisieren