Alexander Ballhaus: Liebe und Sex im Mittelalter
Von Minnesang und Freudenmädchen
Ritter, Burgfräulein, Minnesang und Keuschheitsgürtel, das sind wohl die Dinge, die wir heute mit mittelalterlicher Liebe und Lust assoziieren. Der Historiker Alexander Ballhaus gibt jedoch in »Liebe und Sex im Mittelalter« offenherzige, historisch belegte Einblicke, die wohl vielen Lesern eine ganz neue Sicht auf das angeblich so finstere und von der Kirche völlig entsinnlichte Zeitalter bieten dürfte – oder hättet ihr gewusst, dass die französische Königin Johanna eigens ein Kloster für gefallene Mädchen gründete, in dem sie ihre Geschäfte unter Aufsicht der Äbtissin weiterführen »durften«?
Und habt ihr eine Vorstellung davon, wie viele kirchlich verfolgte Sekten es
gab, deren Ketzertum in bewusst ausschweifender Sexualität bestand? Die
Exzesse dieser Zeit lassen jedes noch so ausgefallene XXX-Filmchen zu einem
fröhlichen Familienpicknick verkommen.
»Von der Erfindung der Liebe« über Minnesold, Liebeszauber
und ekstatische Feste bis hin zur tragenden Rolle der Kirche bei der Errichtung
öffentlicher Freudenhäuser beschreibt Ballhaus anschaulich –
jedoch keineswegs pornographisch – sämtliche Aspekte der Sinnen-
und Fleischeslust jener Zeit. Ob seltsame Hochzeitsbräuche, wie den, das
Brautpaar mittels Peitschenhieben ins Ehebett zu treiben, oder priesterliche
Verfehlungen wie die Entweihung des Beichtstuhls mit reuigen Delinquentinnen,
nichts kommt hier zu kurz, alles wird angerissen, und jeder Einblick weckt Lust
auf mehr. Obgleich in Form eines wissenschaftlichen Überblicks verfasst,
liest sich die Abhandlung flüssig und spannend wie ein Roman. Ganz gleich
ob historisch, esoterisch oder insgeheim erotisch motiviert, in diesem Buch
dürfte jeder Leser seine persönliche Befriedigung finden.
Bewertung:
5 von 5 Sternen
-Marites Hötger












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