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Erotische Texte 2009
Sich in den Arm nehmen:
fordernd
anlehnend
haltend
nah
fern
weich
hart
atmend
pulsierend
innig
liebevoll
zart
kraftvoll
vereint
drängend
Zeichen der Einmaligkeit sich begegnender Menschen.
-Ellen Wilmes
Abteil 6 in der Mailänder U-Bahn um Mitternacht
Wir trafen uns im Abteil sechs der Linie 60, Richtung Mailänder Scala. Er, großgewachsen, kurzgeschorene Haare, beinah Glatze, hellblaue, große Augen, die mich unentwegt wie ein Magnet anzogen. Ich musste einfach hinsehen. Ich konnte mich nicht lösen. Diese Augen zogen mich in ihren Bann. Sie zogen mich zu ihm wie ein Fischer den Fisch an der Angel. Ich wehrte mich nicht. Das beglückende kribbelnde Gefühl im Bauch stieg höher, weitete sich auf meinen ganzen Körper aus.
Dann, dann war es soweit. Wir standen voreinander. Sein Parfum roch leicht nach Lavendel. Sein Kinn zeigte die ersten Bartstoppel. Sein markantes Gesicht näherte sich mir. Selbst jetzt konnte ich meine Augen nicht schließen, ertrank in dem Meer seiner blauen Augen.
Ich spürte seine Lippen auf den meinen. Langsam tastete seine Zunge meine Lippen ab, um dann drängend in der Tiefe meiner Mundhöhle zu verschwinden. Das Kribbeln im Bauch wurde erregend. Mein Körper fühlte eine heiße Woge in sich aufsteigen. Meine Hüften, mein Becken drängte sich an das Seine. Mein Mund, sein Mund verflossen zu einem Mund. Zungen, Lippen, Münder, Tiefen und Täler, Mulden und Senken des Körpers ertastend, begannen die Körper sich im Tanz zu wiegen. Auf dem Höhepunkt der Ekstase glitten wir auf den Boden von Abteil sechs der Linie 60.
Der einzige weitere Gast, ein schlafender Schichtarbeiter schaute nur einmal kurz auf. Unsere uns vom Körper gerissenen Kleider dienten als Unterlage. Unsere Körper verschmolzen zu einem. Nur noch ihn spürte ich. Ich vergaß die Welt. Nur das befriedigende, tiefe Gefühl des Ausgefüllt seins erfasste mich in all den Tiefen meiner Sinne. Schweiß bildete sich auf unseren Körpern, lief in kleinen Rinnsalen über seinen Rücken, zwischen meinen Brüsten. Wir versanken erneut ineinander vom Geruch und Geschmack des Anderen gelockt, erneut angeregt, gereizt.
Wie lange wir dort lagen, ich weiß es nicht. Immer wieder neu überschwemmte uns eine Woge inniger Zärtlichkeit, die nicht enden wollte.
Als der Schaffner seine letzte Runde machte, fand er ein Liebespaar auf dem Boden von Abteil sechs in der Linie 60. Er drehte sich um und ging. Wir lagen glücklich einander in den Armen und warteten auf die Endstation.
-Ellen Wilmes
Das Wunder der Liebe
Mir ist das Wunder der Liebe begegnet. Mein Herz war offen wie ein Scheunentor, und ich fühlte mich offen und war sehr berührt von deiner Anmut, vor lauter Zärtlichkeit schossen mir Tränen in die Augen, sie kullerten an meinen Wangen herunter, fielen auf den Waldboden und bildeten gläserne Kugeln, in denen sich Zeit und Raum ausdehnten zu einem gewaltigen Kosmos von Glück, Schönheit und Liebe.
“Ach könnte ich dieses schöne, warme, weiche Gefühl doch täglich im Alltag benutzen, welch ein beglückender Zustand wäre das!”
Nie wieder würden mich Umstände so deprimieren, dass sie mich in Depressionen stürzten, nie wieder quälten mich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, immer hätte ich den Rettungsanker der Verbindung zu meinem Herzen, zu den schönen Dingen und zu Menschen, die mir etwas bedeuten, zu denen ich eine tiefe, über alle Schlechtigkeiten der Welt triumphierende Verbindung hätte.
Was nehme ich wahr? Ich spüre mich selbst in der Hingabe, mit der ich mich dir verbunden fühle, es gibt kein gestern und kein morgen, nur ein einziger nicht enden wollender Augenblick, der sich in meinem Herzen ausdehnt zu einer Kugel gleißenden Lichts, das mich mit der universellen, kosmischen Energie verbindet und mich über die Widrigkeiten des Alltags hinwegtröstet. Dieses orgiastische Gefühl der Vorfreude auf die Hingabe, die sich unsere Körper schenken werden, lässt mich die Zeit gelassen abwarten, bis auch der Kopf und das Ego dem Gefühl sich unterordnen, einsehend, dass der Eros eine ungeheure Macht ist, eine göttliche Kraft, die sich Bahn bricht und die nur auf Kosten einer krankmachenden Verdrängung aufzuhalten ist.
An Tagen ohne Nachricht von dir stelle ich mir unsere Begegnung vor, wenn dein Herz frei ist, wie sich unser Geist schon Tage vorher in der Vorfreude verbindet und wir den Moment der körperlichen Vereinigung hinauszögern, um die Lust in ungeahnte Dimensionen zu steigern. Schon deine Stimme klingt verführerisch, dein Lachen steckt an, deine kalten Hände sind schnell gewärmt, und ein erster flüchtiger Kuss facht das Feuer der Leidenschaft an, die ausbricht, wenn wir uns mit den Händen begegnen, die alle Körperteile erkunden, zunächst unsicher und tastend, dann immer bestimmter und fordernder.
Die ersten Wellen der Erregung durchfluten unsere Körper, die wie von selbst zueinander streben, von einer höheren Macht gesteuert entledigen wir uns der Kleider. Schwer atmend, vor Lust bebend, überall Küsse verteilend, reiben wir die Becken aneinander, jetzt drängt alles nach Vereinigung, das Denken hört auf, ich weiß nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll, ich möchte nur noch eins sein mit diesem Körper über mir, der im selben Rhythmus schwingt wie meiner, der das selbe Ziel hat wie meiner, die Hormone schütten sich über uns aus, und wir sind ein Körper, eine Seele, ein gemeinsame Wille, vereinigt, um ein Kind der Liebe zu zeugen.
Die Herzen rasen vor Verzückung, und Selbstvergessen pulsieren Ströme voller Liebe durch unsere erhitzen Körper, die sich wie zwei Planten auf Kollisionskurs aufeinander zu bewegen, um ihre Bestimmung zu vollenden und eine neue Seele zeugen.
Noch nie habe ich mich den Himmel so nah gefühlt, so nackt, so verletzlich, so empfindlich, so ungeschützt, so frei, so verbunden mit dem Plan, den Gott für mich vorgesehen hat, und jetzt weiß ich es: Gott gab uns einen Körper, damit wir im Spiel der Liebe fühlen, wie es ist, Göttlich zu sein.
Sprachlosigkeit
Unsere Körper fanden sich immer wieder von ganz alleine. Morgens und abends und auch immer wieder zwischendurch – unendlich befriedigend. Selbst wenn sie schlief und ich ihre nasse Möse berührte, merkte ich oft, dass ihr Körper mich einfach willkommen hieß und ich konnte sie damit sehr lustvoll aus dem Schlaf holen.
Nach so beglückenden Begegnungen war mein Herz immer wieder zum bersten voll und mein Mund lief über. Es drängte mich sehr, meiner Freude, meiner Lust und meiner Liebe, die ich noch im ganzen Körper spürte, Ausdruck zu verleihen.
Aber wann immer ich zu reden anfing, kam der Absturz. Sie musste jetzt ganz schell endlich aufstehen oder aber endlich schlafen. Enttäuscht und einsam blieb ich immer wieder zurück. Es fiel mir unendlich schwer, dann in meiner Liebe zu bleiben und nicht meiner Endtäuschung nachzugeben.
Es dauerte lange, bis ich immer mehr aufgab und resignierte. Der Körper jubelte, der Geist kam auch nicht zu kurz, nur die Seele blieb einsam. Und langsam legte sich ein Schatten auf unsere Beziehung.
-Erwin Kammler
Die Vision
Hilde erzählt mir vom letzten Wochenende, das sie mit Friedrich verbracht hat, den ich auch gut kenne. Es war sehr schön und harmonisch mit ganz viel Nähe und Hilde hätte so gerne auch mit ihm geschlafen. Aber irgendwie ging das wohl nicht.
Ich spüre, wie traurig Hilde darüber ist. Ich merke aber auch, wie sehr mir das Herz aufgeht, weil Hilde mir das so total vertrauensvoll erzählt. Und ich spüre auch, wie sehr ich ihr dieses Glück und diese Freude wünsche. Gleichzeitig wird mir dabei auch bewusst, wie mich ihre Liebe immer wieder begleitet, egal wohin es mich grade zieht.
Auch wenn das Bett jetzt noch eine halbe Stunde warten muß, bis wir vom Spaziergang zurück sind. Es gibt kaum Augenblicke in meinem Leben, in denen ich glücklicher bin, in denen ich meiner Vision von einer liebevollen Welt so nahe bin.
-Erwin Kammler









Oliver Bartsch

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